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KI im Marketing: Wird „echter“ Content zur Gegenbewegung? Warum Unperfektion plötzlich ein Vorteil ist

  • Writer: Anna Wenk
    Anna Wenk
  • Jan 21
  • 4 min read

Ich merke es jedes Mal, wenn ich Social Media öffne. Der Anteil an Inhalten, die nach KI aussehen oder eindeutig mit KI gemacht wurden, wird spürbar mehr. Vor allem bei Videos. Plötzlich ist vieles möglich, was früher Zeit, Team und Budget gebraucht hat. Und genau deshalb haben viele gerade ein mulmiges Gefühl. Nicht nur Unternehmen, sondern auch Kreative, Cutterinnen und Cutter, Social Media Managerinnen und Manager und alle, die mit Content arbeiten. Die Frage steht im Raum: Werde ich ersetzt

Ich verstehe diese Sorge. Und ich glaube trotzdem nicht, dass die Antwort einfach nur ja oder nein ist. KI verändert unsere Arbeit. Aber sie ersetzt nicht automatisch das, was Menschen wirklich berührt.


Warum KI gerade so stark ins Marketing drängt

KI macht Produktion schneller. Das ist die ehrlichste Erklärung. Ideen lassen sich in Varianten ausspielen, Schnitte lassen sich vorbereiten, Texte und Untertitel entstehen rascher, Formate können leichter angepasst werden. Dadurch steigt die Menge an Content, die Marken in kurzer Zeit veröffentlichen können. Und wenn viele das tun, wirkt es wie ein plötzlicher Boom.

Ein prominentes Beispiel, über das viel gesprochen wurde, war Coca Cola rund um Weihnachten 2025 mit einem KI Video beziehungsweise einer KI gestützten Neuinterpretation der eigenen Weihnachtswelt. Die Reaktionen darauf waren extrem gemischt. Manche fanden es innovativ, andere empfanden es als kühl und seltsam. Genau diese Mischung zeigt sehr gut, wo wir gerade stehen. KI kann beeindrucken, aber sie triggert auch Skepsis, weil vielen etwas Menschliches fehlt.


Was das im Kern bedeutet

Je mehr Inhalte automatisch entstehen, desto ähnlicher fühlt sich vieles an. Es wird glatter, sauberer, perfekter. Und genau hier passiert etwas Spannendes. Sobald Perfektion überall verfügbar ist, verliert sie ihren Reiz.

Ich beobachte, dass Menschen schneller weiterscrollen, wenn etwas zu künstlich wirkt. Nicht, weil es schlecht ist, sondern weil es austauschbar wirkt. In einer Welt, in der alles möglich ist, wird das Wertvolle oft das, was nicht perfekt ist. Das, was echt wirkt. Das, was nach Leben riecht.


Wird es eine Gegenbewegung geben?

Ich glaube ja. Und ich sehe sie teilweise schon. Nicht als Trend, der KI ablehnt, sondern als Gegenpol, der das Menschliche wieder stärker betont.

Echte Gesichter sind plötzlich wieder wichtiger als makellose Oberflächen. Echte Orte wirken spannender als generische Kulissen. Echte Stimmen schlagen Werbesprache. Ein kleines Zögern vor der Kamera, ein spontanes Lachen, eine Falte im Lächeln, eine Szene, die nicht durchgestylt ist. Genau diese Dinge können in einem Feed auffallen, weil sie sich anders anfühlen.

Das heißt nicht, dass absichtlich unperfekt gleich chaotisch oder unprofessionell bedeutet. Für mich bedeutet es: bewusst echt. Bewusst nahbar. Bewusst menschlich.


Der Vergleich mit der Industrialisierung

Ich vergleiche das gerne mit der Industrialisierung. Als die Massenproduktion begann, wurden Produkte plötzlich günstiger und einheitlicher. Teller und Tassen waren perfekt rund, gleichmäßig, immer gleich. Viele waren begeistert, weil es sich wie Fortschritt anfühlte. Und es war Fortschritt. Aber mit der Zeit bekam Handwerk wieder einen neuen Wert. Nicht, weil Maschinen schlecht waren, sondern weil Menschen begonnen haben, das Gemachte zu schätzen. Das Individuelle. Das, was nicht von der Stange kommt.

Im Marketing sehe ich eine ähnliche Logik. Wenn KI Content massenhaft liefern kann, wird Content, der echte Handschrift trägt, wieder wertvoller. Nicht als Nostalgie, sondern als Differenzierung.


Unsere Haltung bei marketory

Wir sind nicht gegen KI. Ganz im Gegenteil. Wir nutzen KI seit Beginn unserer Firma. Ich schätze, wie sehr sie uns unterstützt. Sie hilft uns, schneller zu arbeiten, repetitive Aufgaben abzugeben und Prozesse zu vereinfachen. KI ist für mich ein Werkzeug, das unsere Arbeit effizienter macht.

Aber ich sehe auch klar, wo KI an Grenzen stößt. KI kann nicht fühlen. KI kann keine echten Erfahrungen machen. KI hat keine Beziehung zu einer Community. KI hat keine Nervosität vor einem Dreh. Sie kann Emotionen simulieren, aber nicht erleben.

Und genau deshalb wird sie für uns bei marketory nie das ersetzen, was unsere Arbeit im Kern ausmacht: echte, emotionale Videos von echten Menschen. Nicht perfekt. Nicht glatt. Sondern glaubwürdig.

Ich liebe Menschen mit Ecken, mit Falten, mit Charakter. Ich liebe Szenen, die nicht aussehen wie eine Hochglanzwerbung, sondern wie ein echter Moment. Und ich bin überzeugt, dass genau das in den nächsten Jahren wieder stärker gefragt sein wird, weil es sich von all dem abhebt, was zu perfekt ist.


Wie wir KI nutzen, ohne unsere Inhalte seelenlos zu machen

Wir nutzen KI vor allem dort, wo sie uns Zeit spart und Qualität im Prozess erhöht. Zum Beispiel bei Vorbereitung, Struktur, Varianten, Untertiteln, Planung und beim schnelleren Durcharbeiten von Material. KI darf mitdenken, sortieren, vorschlagen und beschleunigen.

Was KI bei uns nicht übernimmt, sind die Dinge, die unsere Handschrift ausmachen. Storytelling, Tonalität, Gefühl für Timing, echte Protagonistinnen und Protagonisten, echte Situationen, echte Regie vor Ort. Und auch das Community Gefühl, also die Art, wie Inhalte ankommen, wie Menschen reagieren und warum etwas funktioniert.


Was Unternehmen jetzt konkret tun können

Ich empfehle, KI bewusst als Unterstützung zu definieren. Nicht als Ersatz für Identität. Es hilft, zwei Bereiche klar zu trennen.

Erstens: Prozesse, die schneller werden dürfen. Dazu gehören Schnittvorbereitung, Untertitel, Planung, Auswertung, Format Anpassungen und Ideenvarianten.

Zweitens: Dinge, die menschlich bleiben müssen. Dazu gehören echte Gesichter, echte Geschichten, echte Orte, eine echte Markenstimme und Formate, die Wiedererkennungswert aufbauen.

Wer das sauber trennt, bekommt das Beste aus beiden Welten. Geschwindigkeit durch KI und Wirkung durch Menschlichkeit.


Fazit

KI wird Standard. Sie wird im Marketing bleiben und sie wird viele Arbeitsschritte vereinfachen. Gleichzeitig glaube ich, dass Menschlichkeit dadurch nicht weniger wichtig wird, sondern mehr. Weil in einer Welt voller perfekter, generierter Inhalte das Echte wieder heraussticht.

Wenn alles perfekt gemacht werden kann, wird das Unperfekte plötzlich zum Signal für Echtheit.


Und genau da sehe ich unsere Stärke bei marketory. Wir nutzen KI, um schneller zu werden. Aber wir bleiben bei dem, was Menschen wirklich berührt: echte Videos von echten Menschen, konventionell aufgenommen, nahbar erzählt und mit Gefühl umgesetzt.


 
 
 

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